Predigt zum Fest der Heiligen Familie

Liebe Gläubige!
Wir erinnern uns heute an die heilige Familie. Heilig ist sie deshalb, weil Maria nach unserem Glaubensverständnis von Gott besonders auserwählt wurde, und in besonders enger Beziehung zu Gott stand. Heilig ist sie auch, weil ihr Kind Gott und Mensch zugleich ist; der Sohn Gottes, der auf die Erde gekommen ist. Heilig ist sie auch, weil Josef nicht nur aus dem auserwählten Königsgeschlechts Judas abstammte, sondern weil er auch besonders fromm und gerecht war. Ist also die heilige Familie eine christliche Paradefamilie, ein echtes Vorbild für uns heute? Wohl kaum! Sie ist eher eine Ausnahmefamilie in jeder Hinsicht. Warum also dieses Fest?
Es erinnert uns daran, dass Jesus ganz und gar Mensch wurde, ohne besondere Auffälligkeiten, bis er ca. 30 Jahre alt war. Es zeigt auch, dass für Gott das Ideal der Familie als Keimzelle der Gesellschaft eine besondere Bedeutung spielt. Die Familie ist der Ort der Geborgenheit, die ein Kind braucht. Die Familie ist der Ort in dem jeder die ersten Schritte ins Leben macht. Die Familie ist der Ort an dem wir Menschen den sozialen Umgang lernen, sozusagen sozialisiert werden. Die Familie ist der Ort der ersten Gottesbegegnung, der Ort an dem der Glaube grundgelegt und weitergegeben wird. Der Umgang in der Familie prägt das Leben, auch der schon Erwachsenen, wie kein zweites Ereignis. Was daher in der Kindheit versäumt wurde, das kann schwer nachgeholt werden; seien es besondere Verhaltensweisen oder auch emotionale Erlebnisse. Obwohl sie so wichtig ist, hat die Familie heute ein Imageproblem. Was ist eigentlich Familie? Der Begriff Familie hat sich immer gewandelt: War früher die Familie die Großfamilie, in der mehrere Generationen unter einem Dach gelebt haben. So war spätestens in den 70er und 80er Jahren die Kleinfamilie mit Vater, Mutter und Kind die Regel. Heute hat sich der Begriff wieder gewandelt: So gilt Mutter und Kind, oder Vater und Kind alleine bereits als Familie. Heute müssen vielfach Alleinerziehende die vielfachen Aufgaben der Familie übernehmen. Der Trend geht sogar zu einer Singlegesellschaft in der jeder für sich allein ist. Quasi eine ein Mann oder eine Frau Familie; höchstens kommt noch ein Lebensabschnittsgefährte in Frage. Oder ist sogar eine Partnerschaft von Mann und Mann, oder Frau und Frau eine Familie? Darüber wird heute politisch kaum mehr gestritten. Die Vorstellung was eine Familie ist, hat sich also gründlich gewandelt, aber die oben genannten Aufgaben der Familie sind gleichgeblieben. Vielleicht sind sie in unserer pluralistischen Gesellschaft noch schwieriger geworden. Es gibt ja keine vorherrschende Meinung und Gesinnung in der Gesellschaft mehr, in die die Kinder einfach hineinwachsen. Können diese neuen Familien die ihnen gestellten alten Aufgaben erfüllen? Mit dem Blick auf die Gesellschaft müsste man das eindeutig verneinen: Viele Kinder sind verhaltensauffällig, viele Eltern sind mit der Erziehung überfordert. Viele Aufgaben der Familie werden auf den Staat, auf Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen abgewälzt. Viele Menschen fühlen sich durch Kinder überfordert und in ihrer Lebensfreiheit eingeschränkt. Die Krise der Gesellschaft ist vor allem auch eine Krise der Familien. Ist also die heilige Familie mit Vater, in diesem Fall sogar nur ein Ziehvater, Mutter und Kind doch ein Vorbild? Was zeichnet die heilige Familie aus? Da ist zuerst einmal Maria und ihre Hingabebereitschaft. Sie lebte ganz mit und für ihr Kind und das unter schwierigsten Flüchtlingsbedingungen. Ihr besonderes Vertrauen auf Gott gab ihr die Kraft alle Schwierigkeiten zu meistern, von den Problemen rund um die Geburt, bis hin zum Kreuzweg ihres Sohnes. Da ist der Josef, der von seiner Frau Maria sein Leben durchkreuzen ließ, der immer zu ihr gehalten hat, auch als er von ihr enttäuscht war. Da ist eine Familie in der Gott und seine Gebote immer eine wichtige Rolle gespielt haben; eine Familie, die einen klaren Wertehorizont gehabt und ihrem Kind vermittelt hat. Da ist eine Familie die Glück nicht nur über Selbstverwirklichung, Wohlstand und Freiheit definiert hat, sondern durch Liebe, die gemeinsam durch Dick und Dünn geht. Da ist eine Familie, die vielleicht auch heute noch bewundert werden kann.