Liebe Gläubige!
Wieder ein Gleichnis vom Reich Gottes, das uns im heutigen Evangelium aufgetischt wird, und wieder bleibt ein komischer Geschmack zurück: Da ist nämlich auch von Vernichtung und Tod die Rede und von einem Menschen, der aus dem Hochzeitssaal hinausgeschmissen wird, weil er kein passendes Gewand anhatte. Was also ist damit gemeint? Lassen wir uns zuerst auf das Gleichnis von Jesus ein!
Da ist ein König, der für seinen Sohn eine Hochzeit ausrichtet und die Großen und Wichtigen seines Reiches dazu einlädt. Es entsprach durchaus der Höflichkeit, wenn man die erste Einladung ablehnte: Man zeigte damit im Orient, dass man sich selbst nicht für würdig hält, an so einem bedeutenden Fest teilzunehmen. Aber die zweite Einladung anzunehmen, war dann Pflicht, will man den Gastgeber nicht kränken. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Hochzeit des Prinzen auch dazu dient, ihn als offiziellen Nachfolger zu präsentieren. So war das Fernbleiben der Gäste, aus ziemlich unbedeutenden Gründen, nicht nur einen Beleidigung und absichtliche Demütigung für den König, sondern sogar eine Art von Protest und kam einem Aufstand gleich. Die Reaktion des Königs war dem entsprechend brutal. Um das Fest doch nicht platzen zu lassen, wurden aus allen Ecken des Reiches Ersatzgäste herbeigeschafft, die wohl auch einen sozialen Aufstieg erwarten durften. Die Sache mit dem Mann ohne Hochzeitsgewand, der dann hinausgeschmissen wird, ist zunächst noch rätselhaft.
Für den Evangelisten ist das Hochzeitsmahl ein Bild für die Kirche. Der König ist Gott; der Königssohn ist Jesus. Die zuerst Eingeladenen, das sind für ihn die Juden. Sie wollten nicht an Jesus glauben und wollten daher nicht zur Kirche dazugehören. Für den Evangelisten bedeutet das, dass sie von Gott abgelehnt werden und nicht das Heil erlangen. Die Ersatzgäste, das sind die Menschen aus allen Völkern, die von Gott zusammengesucht werden und nun die Kirche bilden. Die Zugehörigkeit zur Kirche zeigt sich durch die Taufe. So kann man das fehlende hochzeitliche Gewand als fehlende Taufe interpretieren. Der Mann ohne Gewand, also Taufe, der zur Hochzeit, also der Kirche ging, ist eben einer, der es nicht ernst meint mit dem Glauben, einer der sich nicht entscheiden kann, gegen den Strom zu schwimmen. Wer nicht die Konsequenzen zieht aus seiner Zugehörigkeit zur Kirche und seiner Glaubensentscheidung, für den hält das Leben nur Dunkelheit und Angst und Schrecken bereit, im Gegensatz zum fröhlichen Fest in der Gemeinschaft und der Nähe Gottes.
Für uns heute könnte diese Szene mit dem Mann ohne Hochzeitsgewand der Bezugspunkt sein, um die Bedeutung für das 3. Jahrtausend zu erschließen. Bei uns sind fast immer noch alle getauft, sie gehören also zur Kirche, sie haben das hochzeitliche Gewand zwar an, aber trotzdem hat das für sie keine weiteren Konsequenzen. Sie fühlen sich zur Kirche und zur
Gemeinschaft der Christen überhaupt nicht zugehörig. Für sie ist die Taufe nur die Voraussetzung für bestimmte Dienstleistungen um den Alltag festlicher zu gestalten, bei bestimmten Lebenswenden. Würde man das Gleichnis Jesu weiterspinnen, dann wären diese Menschen Gäste, die nur zum Hochzeitsmahl kommen, um sich den Bauch Vollzuschlagen. Ich glaube der Gastgeber würde bei solchen Gästen ähnlich reagieren, wie bei dem Mann ohne Hochzeitsgewand. Wenn ich aus meiner Taufe nicht die notwendigen Konsequenzen ziehe im Leben, wie besondere Gottes- und Nächstenliebe, und versuche mit Gott in Verbindung zu bleiben, ist nicht nur die Taufe nutzlos, sondern auch der Glaube ist keine Lebenshilfe für mich. Für Menschen, die den Glauben ernst nehmen, ist wird das Leben zum Fest, das sich nach dem Tod noch vollendet.