Liebe Gläubige!
In der Lesung haben wir Lied vom Gottesknecht aus dem Jesajabuch gehört. Das Lied spricht in der Ich-Form von der Berufung eines Propheten, so dass man zuerst einmal meinen könnte, Buchautor und Prophet seien identisch. Wer mit dem Gottesknecht letztendlich gemeint ist, lässt sich nicht eindeutig klären: Entweder eine bestimmte Person, ein Prophet, oder das ganze Volk Gottes. Auch die Bezeichnung "Knecht" muss nicht im Sinne von Sklave oder niederer Diener verstanden werden. Sie wurde auch für hohe Staatsämter, die in Abhängigkeit vom König ausgeübt wurden, verwendet und könnte auch mit "Minister" oder "Berater" übersetzt werden. Die Aufgabe dieses Gottesknechtes wird in drei Kreisen beschrieben:
+ Der Gottesknecht wird eingesetzt, damit Jahwe an ihm seine Größe und Herrlichkeit offenbaren kann (Vers 3).
+ Der Gottesknecht soll die Verherrlichung Gottes herbeiführen, indem er das Volk, das im Exil verstreut unter anderen Völkern lebt, heim nach Jerusalem führen wird. Diese unter den herrschenden Verhältnissen menschlich gesehen unmögliche Aufgabe übernimmt der Prophet in Vertrauen auf Gott.
+ Schließlich wird der Auftrag des Gottesknechtes noch ausgeweitet: Er soll Licht werden für die Völker und das Heil Gottes bis zu den Enden der Erde sichtbar machen. Seine Sendung überschreitet die engen nationalen Grenzen und gilt für die ganze Menschheit. Die Evangelisten sehen in Jesus diese Prophezeiung vom Gottesknecht erfüllt. Er ist der einzige authentische Vermittler und Offenbarer des Willens Gottes. In diesem Sinne lässt der Evangelist Johannes den Täufer sein Urteil über Jesus abgeben, gewissermaßen als neutrale Instanz. Und Johannes der Täufer nennt Jesus das Lamm Gottes. Was ist jetzt damit gemeint? Mit Lamm verbinden wir rein assoziativ mehres: Reinheit, Unschuld, aber auch eine gewisse Hilflosigkeit. Manch einer denkt vielleicht auch an die Schlachtung und den guten Lammbraten. Für die Juden damals war das Lamm zum einen Besitz und Lebensgrundlage, zum anderen ein Opfertier. Ich gebe Gott das wertvollste was ich habe, eins meiner Lämmer. Damit zeige ich Gott meine Wertschätzung und Verehrung. Ich denke das alles spielt bei der Bezeichnung Jesus als das Lamm Gottes eine Rolle: Rein und unschuldig ist er in die Welt gekommen, unbelastet von sündigen menschlichen Strukturen. Er ist als schwacher, und zum Teil auch hilfloser Mensch gekommen, der ganz auf den Vater und seinen Willen angewiesen ist. Wie sein Kreuzweg gezeigt hat. Und für den Vater ist Jesus selber das wertvollste was er uns Menschen in die Hände geben konnte. Das zeigt wie wichtig wir für Gott sind. Und schließlich ist im Leben von Jesus auch der Gedanke der Opferung und wenn man so will, die Schlachtung am Kreuz, enthalten. Wenn ich etwas opfere, dann gebe ich etwas schweren Herzens weg, um etwas anderes, ein höheres Ziel, zu erreichen. Ein Opfer muss immer auch einen Sinn haben, der es rechtfertigt. Der Sinn des Lebensopfers Jesu, und damit verbunden seiner Auferstehung, war den Menschen auf der Schattenseite des Lebens, den Menschen am Rande der Gesellschaft Hoffnung zu geben. Eine Hoffnung die besagt, dass die Gesetze und Mechanismen der Welt nicht das um und auf sind. Eine Hoffnung, die uns an das Eingreifen Gottes in der Welt glauben lässt. Eine Hoffnung, dass das Leben weitergeht, auch wenn wir gestorben sind. Eine Hoffnung, dass Gott für letzte Gerechtigkeit sorgt, wo Menschen versagen und Leid und Unrecht regieren. In diesem Sinne ist Jesus wirklich der ultimative Gottesknecht, der uns das Wesen Gottes offenbart. An dies alles denken wir, wenn wir auch heute beten: Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt.